Paula, bitte nicht wegsehen…

Dieser Text wird wohl länger werden – und ich wünsche mir, dass viele Menschen ihn bis zum Ende lesen und sich dadurch etwas an mancher Art zu Denken ändert……

Heute Mittag bekam ich einen Anruf unserer Postbotin, die wusste, dass ich im Tierschutz tätig bin. Sie meldete eine „schlimm aussehende, abgemagerte, verfilzte Katze“, die in unserem Wohnort herumschlich und dringend Hilfe benötigt.
Nun hätte ich erstmal lange über die „Zuständigkeit“ faseln können, denn mein Wohnort gehört nicht zum Einsatzgebiet der Tierfreunde Malsfeld – doch es handelte sich um ein Tier, welches Hilfe benötigt und da MUSS einfach die Zuständigkeit erstmal hintenan gestellt werden und zuerst wird sich gekümmert. So ist jedenfalls UNSERE Art zu denken…
In meinem Auto befinden sich immer Käscher, Fanghandschuhe und eine Transportbox steht immer griffbereit – also zack, los. Vor Ort war keine Katze sichtbar. Gerade, als ich klingeln wollte, öffnete mir der Hausbesitzer. Ich erklärte ihm die Sachlage, dass an seinem Grundstück eine verwahrloste, augenscheinlich kranke Katze gemeldet wurde. Sehr freundlich wurde ich hereingebeten – dort befand sich die Katze des Herrn, gut genährt, gepflegt, gerade beim Fressen. Das konnte doch nicht sein??!!
Nein – es gibt hier noch eine Katze, deren Besitzer vor längerem verstorben ist und um die sich einige Nachbarn wechselseitig kümmern. Kümmern bedeutet hier, wie so oft „Futter hinstellen“.
Ja, man habe wohl vor einigen Wochen festgestellt, dass die Katze verfilzt sei und wollte sie auch beim Tierarzt mal abscheren lassen, aber irgendwie kam immer was dazwischen….. OH MANN! Die Bilder zeigen es – es handelt sich um eine „normale“ Hauskatze, deren Fell im Normalfall niemals verfilzen würde…. es sei denn, sie ist nicht mehr in der Lage, sich zu putzen!! Und wenn sie das nicht mehr kann, muss sie einem Tierarzt vorgestellt werden…..
Sie sei auch schon sehr alt, wohl auch taub und…… „wie, zum Tierarzt? Das lohnt doch nicht mehr!!“ ….. Hier griff zum Glück meine gute Erziehung und ich atmete einfach mal tief durch und erklärte sachlich (innerlich explodierend), dass JEDES Tier eine ärztliche Versorgung benötigt. Und die, die keinem gehören, natürlich genauso!! Und wenn man es selbst nicht zahlen kann oder will, möchte man sich doch BITTE an den nächsten Tierschutzverein wenden! Aber wie kann man den bitteschön dabei zuschauen, wie diese große, früher sicherlich um die 5 kg wiegende (ohne dabei fett zu sein!) Katze immer weniger wird, verfilzt und sich kaum noch bewegen kann……??!!! Hilfloses Achselzucken.
Die Süße konnte von dem Herrn auch auf den Arm genommen werden (hätte also jederzeit zum Tierarzt gebracht werden können, zahm, lieb, schmusig…..) und wurde in meine Box gepackt und ich fuhr erstmal nach Hause.
Da es sich um ein Fundtier handelte und wir als Verein tatsächlich nicht „zuständig“ sind für die Gemeinde Alheim, habe ich umgehend Brigitte Brömel vom Tierschutzverein Rotenburg/Fulda kontaktiert. Denn es ist auch für uns Vereine nicht „einfach mal hinfahren und machen“… es hängt noch eine Menge mehr daran. Die Finanzen z. B. – die evtl. notwendige Unterbringung der zu versorgenden Tiere – und nicht zu vergessen der Bürokram….
So kam ich mit Brigitte überein, dass der Tierschutzverein Rotenburg/Fulda die anfallenden Tierarztkosten übernimmt (zum Glück haben wir beiden Vereine den gleichen Vereins-Tierarzt) und für den Fall einer weiteren, notwendigen Versorgung der Katze hätten wir gemeinsam eine Lösung gefunden. Hier mal ein herzliches DANKE an die schnelle, unkomplizierte Zusage des Vereins, die eine ebenso schnelle und unkomplizierte Vorgehensweise möglich machte!! <3

Kurz drauf hatte ich dann einen Termin in der Tierarztpraxis, wo sie zuerst gewogen wurde. 2,24 kg. ….. weniger als die Hälfte ihres vermutlichen Normalgewichtes. Alter geschätzt 16 + ….

Die Zähne kaum als solche zu erkennen. Massiver Zahnsteinbefall, Entzündung der gesamten Maulhöhle, eitrige Stellen überall im Mäulchen. Beim Abhorchen: es „pfiff“ und brodelte… also ein Röntgenbild angefertigt und etwas Blut bzgl. der Nierenwerte abgenommen.
Auf dem Röntgen zeigten sich außer massiven Spondylosen an der gesamten Brustwirbelsäule eine riesige Umfangsvermehrung in Richtung Brustbein. Diese hatte die Luftröhre stark nach oben gedrückt – daher bekam die Katze kaum Luft. Auch die Nierenwerte waren grauenhaft.
So entschieden wir, diese liebe, freundliche, so schrecklich kranke Katze zu erlösen.

Und wieder ist man wütend, hilflos, machtlos. Wir versuchen ständig und immer wieder aufzuklären. Zu sensibilisieren – schaut nicht weg! Schaut hin und kümmert Euch! Und wenn das Kümmern „nur“ darin besteht, jemanden anzurufen, der vielleicht eine Idee hat, wie SCHNELL geholfen werden kann!!!
Es sind die herrenlosen Katzen – die, die einfach übrig geblieben sind, wenn auf einem Hof der alte Besitzer in ein Pflegeheim kommt oder verstirbt. Die, die „zu viel“ und vor allem „nicht gewollt“ sind, weil man einfach mal wieder nicht kastriert hat und sich alles mehr und mehr vermehrt…… um die sich dann wiederum keiner kümmert. Die, die immer älter werden und es kümmert niemanden, dass es einfach nicht ausreicht, Futter in Schälchen aufzustellen.
Bei dieser Kleinen hat niemand gemerkt (???), dass sie gar nicht richtig frisst, weil sie es gar nicht mehr konnte! Vielleicht etwas Gelee vom Dosenfutter geschlappt und ein paar Trockenfutterbrocken im Ganzen heruntergeschluckt. Dass ihre gebeugte Haltung ein Indiz dafür war, dass sie sicherlich wahnsinnige Schmerzen hatte. Niemand weiß, wie lange sie bereits stumm vor sich hin gelitten hat. Und ich möchte es auch gar nicht wissen – das ist einfach unerträglich.

Nein, nicht immer können wir sofort helfen. Aber es gibt nicht nur unseren Verein. Informiert Euch doch gerne innerhalb Eurer Wohnorte, wo ein Tierschutzverein ist, nehmt einfach mal so Kontakt auf – spendet gern den einen oder anderen Euro an die KLEINEN Vereine, die alles ehrenamtlich wuppen – sprecht mit den Mitarbeitern, was man denn tun kann – und wenn Ihr etwas seht………. schaut nicht weg!!!
Der kleinen Paula hätte so viel Elend erspart bleiben können…
Run free, du süße Maus